Es gibt ein schönes Paderborn und die Stadt engagiert sich auch dafür, z. B. mit der „Flusslandschaft Pader“. Aber nach meiner Wahrnehmung steht dahinter nicht ein durchgängig ökologisches und ästhetisches Konzept. Philosophien, die der Vergangenheit angehören sollten wie die „autofreundliche Stadt“ oder die „Stadtverdichtung“, spiegeln sich in der Paderborner Stadtplanung immer noch wider. Und das ist sehr schmerzhaft. Folgende Vorschläge möchte ich unterbreiten:
1. Wir brauchen endlich Bau- und Vermietungskonzepte in Paderborn ausschließlich für Menschen, die fähig sind, ihr Leben ohne eigenes Autos zu organisieren. Für die Situationen, in denen das Fahrrad oder der öffentliche Nahverkehr nicht greifen, kann Carsharing angeboten werden. Wer im Innenstadtbereich wohnt, für den gibt es in den meisten Fällen keinen einleuchtenden Grund für ein eigenes Auto. Ein anderes Beispiel wäre Schloß Neuhaus. Dort gibt es sehr viele Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs und mit dem Fahrrad ist man schnell in der Innenstadt. Auch hier könnte man über das Wohnangebot Anreize schaffen, das eigene Auto abzuschaffen bzw. erst gar nicht mit der umweltschädlichen Fortbewegung in einem individuellen Fahrzeug zu beginnen.
2. In Paderborn gibt es hässliche Straßen, in denen rechts und links Autos parken. Für Bäume oder Fahrradwege fehlt dann der Platz. Dem Flächenfraß durch die Autos sollte in einem ersten Schritt eine Ende gesetzt werden, indem die Stadt das Straßenparken nach und nach abbaut.
3. Die Politik sollte nicht den Eindruck erwecken, als seien E-Autos eine umweltfreundliche Alternative. Denn das stimmt nur vordergründig in Bezug auf die Abgase. Es bleiben der Flächenfraß, die Ressourcenverschwendung für individuelle Fahrzeuge, der Reifenabrieb, verschärft durch das hohe Gewicht der E-Autos, und die Unfallgefahr. Die E-Mobilität macht nur Sinn, wenn sie begrenzt bleibt, z. B. für mobile Pflegedienste, Lieferfahrzeuge etc. Das sollte den Menschen deutlich gesagt werden.
4. Es gibt Neubauten in Paderborn, bei denen nicht berücksichtigt wurde, dass es in Hitzephasen zu einer unerträglichen Stadtaufheizung kommt, wenn zu wenig Grün vorhanden ist. Jeder Neubau, jeder Neubaukomplex sollte mit viel Grün umgeben sein und Steingärten sollten nicht mehr erlaubt sein. Fassaden- und Dachbegrünungen können ebenfalls für ein besseres Stadtklima und eine anziehende Optik sorgen. Die Pandemiezeit hat uns besonders gelehrt, dass Menschen viel Grünflächen benötigen, um Zeiten der Einschränkung zu bewältigen. Negativbeispiele für eine zu dichte Verbauung finden sich im Riemekeviertel.
5. Wenn Reisende sich umweltfreundlich für die Anfahrt mit dem Zug entschieden haben, dann sollten sie in einem ansprechenden Bahnhof willkommen geheißen werden. Weltweit gibt es Beispiele für schöne Bahnhöfe, zu denen auch ein Bahnhofsvorplatz gehört. Bei dem neuen Bahnhof, der uns erwartet, ist die Ästhetik sehr zweifelhaft, nach meinem Geschmack eine monotone Geradeausarchitektur, und wenn ich es richtig verstanden habe, treten die Reisenden aus dem Bahnhof heraus und haben wenig Platz, um sich einen Moment lang zu orientieren oder die Ankunft zu genießen, und die Autos fahren an ihnen vorbei. Welch ein Empfang! In Paderborn soll der Tourismus gefördert werden. Ich hoffe, dass man dabei nicht an Touristen gedacht hat, die mit dem Auto nach Paderborn kommen.

16891cookie-checkStadtökologie, Ästhetik in der Stadt